Geschichte der Dörfer und Weiler des Kirchspiels Rescheid
Das Alter der Dörfer und Weiler ist ungewiss. Drei römische Brandgräber aus dem 1. bis 3. Jahrhundert, die in den 1930er-Jahren auf dem „Ohmenbruch“ am Abzweig des Weges von der K68 nach Hescheld gefunden wurden, lassen nicht auf eine so frühe Besiedlung schließen. Wahrscheinlicher ist eine Besiedlung erst gegen Ende des Hochmittelalters (11. bis 13. Jahrhundert).
Unterhalb von Giescheid existierte im 12. Jahrhundert auf dem Burgkopf eine hölzerne Turmhügelburg (Motte).
Die Dörfer bestanden ursprünglich nur aus wenigen Höfen, die den Landesherren gegenüber abgabepflichtig waren. Die Siedlungen gehörten zu drei verschiedenen Herrschaften: Metzigeroder, Neuhaus und Schnorrenberg zu Kronenburg, Giescheid und Teile von Kamberg zu Wildenburg sowie Rescheid und der Rest von Kamberg zu Reifferscheid. Die Weiler Aufbereitung II, Grube Wohlfahrt und Schwalenbach entstanden erst später im Zusammenhang mit dem Bergbau.
Kirchlich gehörten die Kronenburger Gebiete zur Pfarre Kronenburg, die Reifferscheider und Wildenburger zur Pfarre Reifferscheid.
Diese komplizierte Herrschaftsstruktur hatte über Jahrhunderte Bestand, bis zum Ende des „Alten Reichs“ mit dem Einmarsch der französischen Revolutionsheere im Jahr 1794. Die ehemalige Kronenburger Herrschaft gehörte fortan zum Département Ourthe, die früheren Wildenburger und Reifferscheider zum Département de la Sarre.
Wegen der Entfernung zu den Pfarrkirchen in Reifferscheid und Kronenburg entstanden schon früh Kapellen in Rescheid, Giescheid und Berk, wobei der verpflichtende Sonntagsgottesdienst weiterhin in der jeweiligen Pfarrkirche abgehalten wurde.
In Berk soll bereits 1308 eine Kapelle erwähnt worden sein. Die Kapelle in Rescheid existierte schon vor 1630. Sie war damals bereits der heiligen Barbara geweiht, was auf einen Bezug zum Bergbau hinweist. Die Bartholomäus-Kapelle in Giescheid stammt aus dem Jahr 1669. Die Kapelle in Schnorrenberg wurde erst sehr viel später, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, errichtet.
Einwohner*
Vereine
Dörfer & Weiler
Stand: 31.12.2024
Modell der „Motte“ auf dem Burgkopf von Klaus Piecha. Das Modell steht in der Ausstellung im „Grubenhaus“ des Heimatvereins.
Aufteilung der Herrschaften in und um das Kirchspiel Rescheid, 1785
Rescheid
Blick auf Rescheid aus südwestlicher Richtung
Blick über den Rescheider Kirchturm in Richtung Giescheid
Blick über Rescheid vom Kirmesplatz aus
Blick über Rescheid von der Dorflinde aus
Höhe: 620-635 m ü. NHN.
Einwohner: 197 (31.12.2024)
Rescheid ist ein Ortsteil der Gemeinde Hellenthal im Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen. Das Dorf blickt auf eine lange Bergbaugeschichte zurück und beheimatet die historische Grube Wohlfahrt, die heute als Besucherbergwerk zugänglich ist. Inmitten der Eifellandschaft gelegen, bietet Rescheid Erholungssuchenden reizvolle Wanderwege sowie einen Einblick in die regionale Kultur. Der ländliche Charakter und die Nähe zur Natur prägen das Dorfleben und machen Rescheid zu einem beschaulichen, zugleich geschichtsträchtigen Ausflugsziel für Besucher.
Kamberg
Wegekreuz Kamberg mit Kinderspielplatz im Hintergrund
Blick über Kamberg
Höhe: 615 m ü. NHN.
Einwohner: 151 (31.12.2024)
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Giescheid
Blick über Giescheid
Gemälde von 1915 zu Giescheid
Höhe: 630-651 m ü. NHN.
Einwohner: 90 (31.12.2024)
In seiner Chronik berichtet Pfarrer Busch (1863-1871), dass um 1690 in Giescheid vier Höfe genannt werden: Maix-Hof, Suren-Hof, Haes-Hof und Paulus-Hof. Zwei der Namen – Suren und Paulus – finden sich noch heute in Flurbezeichnungen.
Landrat Dr. Georg Bärsch erwähnt gut 50 Jahre später fünf Höfe: den Steinfelder Hof, das Hennen-Gut, das Maicks-Gut, den Paulus-Hof und den Hanzen-Hof.
Wenn vier oder fünf Höfe genannt werden, hat dies nichts mit der Anzahl der Häuser zu tun. Ein Hof bestand meist aus mehreren Wohneinheiten.
Kapelle St. Bartholomäus und hl. Maria Magdalena
Wenige arme Bauernfamilien aus Giescheid und Kamberg errichteten die Kapelle im Jahre 1669, wie die Jahreszahl auf dem Türsturz ausweist. Vermutlich waren sie es leid, ihre Toten zur Beerdigung den weiten Weg zur Pfarrkirche nach Reifferscheid tragen zu müssen. Sie legten daher neben dem Kirchlein einen kleinen „Gottesacker“ an, den auch die Kamberger bis 1803, dem Jahr der Errichtung der Pfarre St. Barbara Rescheid, nutzten.
Schnorrenberg
Blick auf Schnorrenberg aus südwestlicher Richtung
Höhe: 629 m ü. NHN.
Einwohner: 72 (31.12.2024)
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Schwalenbach
Blick über Schwalenbach
Höhe: 623 m ü. NHN.
Einwohner: 57 (31.12.2024)
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Neuhaus
Wegekreuz Neuhaus
Höhe: 668 m ü. NHN.
Einwohner: 24 (31.12.2024)
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Grube Wohlfahrt
Historische Postkarte der Grube Wohlfahrt, 1899
Grube Wohlfahrt heute
Höhe: 570 m ü. NHN.
Einwohner: 5 (31.12.2024)
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Aufbereitung II
Historische Postkarte von „d’r Weisch“, 1959
Höhe: 520 m ü. NHN.
Einwohner: 0 (31.12.2024)
Die wenigen Gebäude des Weilers verdanken ihren Ursprung dem Bergbau. Der Weiler liegt am Stollenmundloch (Stolleneingang) des „Tiefen Stollens“ der „Grube Wohlfahrt“. Ende der 1960er Jahre ließ die Gemeindeverwaltung den Stollen auf einer Länge von 50 Metern zerstören und sein Mundloch verfüllen. Das geschah vorgeblich aus Sicherheitsgründen sehr unfachmännisch.
Der ehemalige Gasthof Linden bzw. die heutige Gruppenunterkunft „GUT finden“ diente ursprünglich als Betriebsgebäude der Grube. Ab 1895 verkehrten Züge im Stollen, deren Lokomotiven mit Pressluft betrieben wurden. Ab 1905 fuhren elektrisch betriebene Lokomotiven durch den Stollen bis zum zweiten Betriebspunkt die „Grube Schwalenbach“ in 2,5 Kilometern Entfernung. Im Gebäude wohnten der Lokomotivführer Peter Bauer und seine Familie. Vor Ort befand sich auch der Lok-Schuppen für jeweils zwei Maschinen.
Nach der endgültigen Schließung des Bergwerks erwarben die Tochter Johanna Christina und ihr Ehemann Michael Linden das Anwesen. Dort, wo sich heute das „Grubenhaus“, das Museum des Besucherbergwerks befindet, standen Stall und Scheune der Familie.
Neben einer florierenden Gastwirtschaft führte die Familie Linden auch eine Tankstelle. In den 1960er Jahren betrieb sie illegal einen kleinen Campingplatz auf dem Gelände, der von der Gemeinde zwangsweise geschlossen wurde.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ließen sie Fischweiher anlegen. Möglicherweise befanden sich früher dort die zwei Schmelzhütten, die in alten Aufzeichnungen erwähnt wurden. Von den Hütten existieren keine Spuren. Allerdings fanden sich dort viele Eisenschlacken, was darauf schließen lässt hier Eisenerz geschmolzen wurde.
Oberhalb der Fischweiher lag zu Betriebszeiten des Bergwerks eine Bäckerei. Nichts deutet heute mehr auf dieses Haus hin.
Weiter unterhalb in Richtung Aufbereitung I und Zehnstelle steht das sogenannte „Steigerhaus“, früher demnach von leitenden Mitarbeitern der Grube bewohnt.
Daran schloss sich talabwärts die eigentliche Aufbereitung der „Grube Wohlfahrt“ an.
Metzigeroder
Sendeanlage Eifel-Bärbelkreuz des WDR Köln
Höhe: 660 m ü. NHN.
Einwohner: 0 (31.12.2024)
Ausschnitt einer Urkunde aus dem Jahre 1538 – Metzigeroder betreffend
Originaltext:
Copia deren Verschreibung denn Hoff auff Mutzigen Roder belanngenn (?)
Wir Dietherich Graf zu Manderscheitt und Blanckenheim her zur Schleiden, Kerpen Cronenburg und zur Nürburg thun kundt und bekennen für unß unsere erben und nachkomen, daß wir Peter Simons von Kamberg … (?) unser gutt zum Mutzingen rode erblich zu Lehen zugesthan haben …
Montag nach Invocavit (erster Sonntag der Fastenzeit / nach Aschermittwoch) 1538