Aufzeichnungen Pfarrer Meurer Rescheid

1943

02.03.43Josef Urhahn aus Kamberg fällt bei Straja in Russland.
23.07.43Alois Sieberath aus Giescheid fällt am Ladoga See.
09.43Am Anfang des Monats werden die 4 Glocken abgenommen, um eingeschmolzen zu werden.

Rescheid im Jahre 1943
Die Kirche mit den Häusern Lux und Steffens

Möbeltransport
Pfarrer Meurer zieht nach Rescheid
März 1944

1944

Stammdaten des Jahres 1944:

5 Geburten
29 Tote, davon 8 Gefallene und 2 Ziviltote
4 Ehen

26.01.44Pfarrer Werres stirbt in Koblenz. Er wird auf dem neuen Friedhof beerdigt.
16.02.44Johannes Meurer wird zum Pfarrer ernannt
26.03.44Johannes meurer wird in Rescheid eingeführt

Pfarrer Meurer wird in Rescheid eingeführt
29.03.1944

07.44Die feuchten Stellen im Hochchor der Kirche werden verputzt.

Hochchor der
Pfarrkirche Rescheid
im Jahre 1944

Hitlerjugend zum Schanzen

10.09.44Bei Westwind hört man die nahende Front. Abends kommen Autos mit Jungen aus dem Mechernicher Tal an. Sie sollen am Westwall schanzen. Montags rückt eine Kompanie Soldaten im Ort ein, im Pfarrhaus wohnt ein Leutnant. Dienstags ziehen ins kleine Schulsälchen 20 Mädchen, die für die Jungen kochen sollen.
Auf der anderen Prethseite herrscht Riesenbetrieb
von Soldaten und Schanzarbeitern. Tieffliegerangriffe auf den Westwall häufen sich.
Es geht das Gerücht der bevorstehenden Räumung unserer Dörfer um. Alle Leute sind aufgeregt und packen. Amtlich ist noch nichts bekannt. Vorsorgtlich wird das Allerheiligste aus Schnorrenberg weggenommen. Die Ernte bleibt stehen, die Polen mußten weg. Heute sind alle Männer des Dorfes zum Schanzen nach Miescheid. Heuet Abend soll für sie um 19.00 Uhr eine Messe sein.
11.09.44Die Jungen und Mädchen rücken ab. Ein Pionier-Batallion kommt an. Neue Einquartierungen erfolgen, unter anderem auch ein Divisionsstab. Der „Ami“ steht in Rocherath-Krinkelt.
12.09.44Bomben fallen in die Udenbrether Mühle. Der Pfarrer besichtigt mit Peter Klinkhammer den Stollen an der Aufbereitung. Dorthin wollen wir flüchten, wenn die Front kommt. Der Stollen ist sehr naß, trotzdem ziehen abends schon verschiedene Kamberger Familen dort hin.
13.09.44Räumungserüchte häufen sich. Nachmittags wird Udenbreth geräumt. Pfarrer Pütz zieht mit seinen Leuten in den Wald. In Rescheid wird gepackt. Viele bringen ihr Gepäck in den Stollen bei Pauelssiefen, andere wiederum an die Grube Wohlfahrt.
14.09.44Nach der Messe kommt der Räumungsbefehl, aber nur wenige Leute leistn ihm Folge.
15.09.44Viele Kamberger wohnen schon im feuchten Stollen. Die Giescheider sind alle noch dahiem. Von Rescheid wohnen einige im Rinnenbenden, andere (auch der Pfarrer) in den Stollen von Pauelssiefen. Nachmittags fährt der Pfarrer nach Schnorrenberg. Die Kapelle ist geschlossen. Die Familie, die den Schlüssel besitzt, ist auf der Flucht. So nimmt der Pfarrer die Beichte hinter dem Friedhofskreuz ab. Die Leute bereiten sich auf die Straße vor. Zurück nach Rescheid; der Befehl zur Zwangsräumung ist da. Wer bleibt, wird als Volksverräter behandelt. Bis spät in die Nacht werden die Ochsenkarren beladen. Im feuchten Nebelwetter verlassen morgens gegen 3.30 Uhr die letzten 12 Ochsenkarren das Dorf. Frauen und Kinder sitzen verzweifelt zwischen dem Hausrat auf dem Wagen. Weinend treiben die Männer ihre Tiere hinaus in die Nacht.
16.09.44Einige ziehen nach Bungenberg, Hecken, Wollenberg, Felser und Sistig. Manche nach
Krekel, die meisten aber nach Marmagen und die
Dörfer ringsum. Der Pfarrer bleibt bis zum letzten
Tag und packt. Dann nimmt er das Allerheiligste
aus der Kirche. Um 10.30 Uhr fährt er nach Grube Wohlfahrt. Dort sitzen die Alten und Kranken, denen man für 8.00 Uhr ein Auto versprochen hatte. Die Leute sitzen um 18.00 Uhr immer noch da. Das Allerheiligste wird gegen 15.00 Uhr in den Tabernakel der Marmagener Kirche gebracht. Karl Dederichs hat die alten Leute von Grube Wohlfahrt abgeholt. Alle sind gut untergebracht.
17.09.44(So) Morgens um 6.45 Uhr erste Messe in Marmagen. Vom Landrat kommt die Anordnung,
daß alle Rescheider in Marmagen bleiben sollen.
18.09.44Erste Nachrichten von Plünderungen in unserern Dörfern.
19.09.44Der Pfarrer ist in Rescheid, um einige Sachen zu holen.
Nachmittags schlagen die ersten Granaten ins Dorf.
22.09.44Die nach Tabernakeltüren und das Altarkreuz werden nach Marmagen geholt.
24.09.44Ab heute wird in der Marmagener Kirche jeden Abend der Rosenkranz gebetet.
27.09.44Die Leute treiben immer mehr Vieh zu den Evakuierungsorten.
01.10.44SA und Kettenhunde heben das Waldlager der Udenbrether auf.
04.10.44In Rescheid wird Johannes Schiffer aus Kamberg (Köln) unter armseligen Umständen beerdigt.
05.10.44Einige Familien wohnen im Kloster Steinfeld. Erste Messe für die Rescheider in Wahlen.
07.10.44Viele Granaten schlagen in Giescheid ein. Noch
kein Schaden.
10.10.44Der Pfarrer in Rescheid. Zum letztenmal sieht er das Dorf unversehrt. Viele Familien arbeiten auf den Kartoffelfeldern. Das Getreide liegt hoffnungslos darnieder. Der Pfarrer nimmt die Chronik aus dem verlassenen Dorf mit nach Marmagen.
11.10.44Schweres Artilleriefeuer setzt ein. In Giescheid brennen die Häuser von Engelbert Jütten, Pützer
und Berners ab. Andere erhalten Volltreffer. Abends brennen die Häuser von Peter Jenniches und das alte Pfarrhaus ab.
12.10.44Durch starkes Artilleriefeuer brennen die Häuser von Andres und Lux-Klinkhammer ab. Das
Kirchendach wird an der Südseite durchschlagen. Eine Granate trifft das runde Fenster über dem Portal. Sie zerstört das Dach des Windfangs, die Verschieferung und das große Kruzifix neben dem Ausgang. Ein weiterer Treffer zerstört den großen Kachelofen. Alle Fenster gehen zu Bruch, das Gewölbe wird von Splittern durchlöchert. Die Sakristei erhält mehrere Treffer. Einer wirft die Wandlungsglocke herunter, die nun vor den Ruinen von Lux auf der Straße liegt. Es gibt fast kein Haus mehr ohne Schaden.

Die zerstörte Pfarrkirche

14.10.44Das Haus Tapper und die Post brennen abends ab.
16.10.44Requiem in Sistig für den in Italien gefallenen Franz Lux aus Schnorrenberg. Nachmittags nach Rescheid. Erschütternder Eindruck. UNzählige Granaten haben die Wiesen, Wege und Straßen aufgewühlt. Trümmer von Häusern, Dächern, Zäunen und Bäumen bedecken sie. Volltreffer haben: die Wirtschaft Klinkhammer, Haus Reder, Gritten, Pesch, Nießen, Poyck u.v.a.. Im Pfarrhaus sind die Fenster zerstört, Türen aufgebrochen. 8 Soldaten, die einzigen im Dorf, liegen im Pfarrhauskeller.
19.10.44Aends kommt die Nachricht, daß wir Marmagen verlassen müssen.
20.10.44Morgens Messe in Wahlen, um 17.00 Uhr in Sistig.
22.10.44Nach der Andacht sagt man uns, wir müßten nach Schönau.
27.10.44Requiuem für den am 18.10. im Lazarett Pressbaum bei Wien gestorbenen Josef Sieberath aus Giescheid. Nachmittags Hochzeit von Mathias Josef Dederichs aus Giescheid und Christine Weber aus Schnorrenberg in Sistig.
30.10.44In Rescheid: Alle Kirchenbücher werden verpackt. In der Kirche ist im Seitenschiff ein Stück Gewölbe heruntergebrochen. Das Dach hat einen zweiten Treffer. Das Pfarrhaus hat einen Volltreffer in das rückwärtige Zimmer des ersten Stocks uns das Schulsälchen erhalten.
31.10.44Katharina Dederichs aus Giescheid stirbt in Marmagen und wird dort beerdigt.
15.11.44Schnee. In Marmagen sind 400 Flüchtlinge. Vieh wird verschenkt, damit man die Ochsen oder die eine oder andere Kuh gefüttert bekommt.
16.11.44Über Marmagen rast der V1-Beschuß hinweg, auch der „Eifelschreck“ genannt, wegen der Blindgänger und Versager.
22.11.44Mit verschiedenen Leuten in Rescheid. Viele Häuser zeigen größere Zerstörungen. Was man brauchen konnte, wurde gestohlen, alles andere wurde zertreten.
24.11.44Gottesdienst in Sistig.
01.12.44Mathias Jütten stirbt in Mühlheim. Die Frau von Leo Dederichs aus Giescheid stirbt im Kölner Bombenhagel.
01.12.44Barbarahochamt in Krekel. Nachmittags Feierstunde in der Kirche in Marmagen. Pfarrer und Pfarrkinder legen ein Gelübde über eine jährliche Wallfahrt nach Heimbach ab. Das Gelübde wird schriftlich niedergelegt und von den Ältesten der Familien unterzeichnet.
05.12.44Jede Menge Militär in Marmagen. Wir sollen nach Thüringen.
10.12.44Wegen starken Schneefalls keine Fahrt nach Rescheid möglich.
14.12.44Letztes Mal elektrisches Licht, Telefon zerstört.
16.12.44Der Gegenangriff rollt. Königstiger fahren durch Marmagen. Alle Straßen zerstört.
18.12.44Karl Pützer (Ketten) soll bei Harperscheid gefallen sein. Jagdbomberangriffe in der Nähe. Wir bringen alles in den Keller.
21.12.44Nach Rescheid. Plünderungen.
25.12.44Weihnachten in der Fremde. Kein Licht, kein Baum, keine Kerzen und Geschenke. Bomben. Die Sprengbomben fallen neben das Dorf. Schwarze Rauchbomben über Wahlen. Zingsheim brennt. Mittags kommt die Trauerbotschaft. Unter den 23 Toten von Wahlen befindet sich unser Lehrer Peter Breuer und das Schulkind Leo Pützer aus Kamberg.
26.12.44In Rescheid. Neben dem Pfarrhaus sind zwei Bomben eingeschlagen, alle Scheiben zerstört.
28.12.44In Rescheid wird Leo Pützer beerdigt.

Das Pfarrhaus nach dem Beschuß am 26.12.1944

1945

Stammdaten des Jahres 1945:

6 Geburten
20 Tote, davon 4 Gefallene und 7 Ziviltote
1 Ehe

01.01.45Dem dringenden Rat des Pfarrers, während der beschußfreien Zeit nach Hause zurückzukehren und für die notwendigen Reparaturen zu sorgen, um die gemeinen Plünderungen zu vermeiden, sind ca. 130 Pfarrkinder gefolgt. Für diese hält der Pfarrer eine Messe im Eßzimmer des Pfarrhauses.
20.01.45Die Kiste mit dem Kirchengold wird unversehrt ausgegraben. Deutsche Landser zerstören das Tabernakel und werfen den Taufstein um.
27.01.45Der kommandierende General Hitzfeld des 67. Armeekorps besucht den Pfarrer.
29.01.45Morgens Jagdbomber-Tätigkeit. Mittags hören wir plötzlich Einschläge, ohne daß Flieger in der Luft sind. Die Artillerie schießt wieder ins Dorf. Ein Soldat wird bei Lenzen tödlich getroffen. Das Kirchengold kommt nach Reifferscheid.
31.01.45Amerikaner in Losheimergraben.
01.02.45Volltreffer ins Haus Gritten. Drei Schwerverletzte. Sie liegen in einem Zimmer des Pfarrhauses und bluten so stark, daß das Blut bis in den Keller tropft.
02.02.45Der Giebel und das halbe Dach der Kirche werden vernichtet.
03.02.45Der Tresor der Sakristei wird gesprengt. Die HKL ist jetzt in der zweiten Bunkerlinie. Giescheid sit jetzt vorgeschobener Gefechtsposten. In Rescheid ist niemand. Der „Ami“ ist in Ramscheid.
06.02.45Zwei Volltreffer zerreißen die Süd-West-Ecke des Pfarrhauses. Für die zurückgebliebenen Pfarrkinder ist abends in der Waschküche des Pfarrhauses eine Messe.
14.02.45Immer mehr Bunker bei Kamberg fallen. In Giescheid fast jede Nacht Spähtrupps.
16.02.45Post aus Marmagen spricht von dortiger Räumung. In einer Beschußpause macht der Pfarrer einen Versehgang nach Giescheid.
Kellerleben in der Beschußzeit

Morgens wird nicht vor 8.00 Uhr aufgestanden wegen Lichtersparnis. Auf einem kleinen Öfchen wird Kaffee gekocht, was bei falschem Wind manchmal bis 10.00 Uhr dauert. Wenn der Beschuß nahe liegt, sitzen wir in der Ecke und beten. Manchmal kommt Besuch, um Milch oder Brot und Butter zu bringen. Mittags gibt es meisens Eintopf. Um 18.00 Uhr Messe. Danach Abendessen. 20.00 Uhr Nachtruhe, wenn die Kanonen es erlauben.

23.02.45Ein ständiges Kommen und Gehen trotz der Schießerei. Das Volk ist in Aufregung und Verwirrung.
25.02.45Fliegerangriff auf Marmagen. Der alte Herr Reder und der Küster Alois Sieberath kommen ums Leben. Er war 48 Jahre Küster und hat 14 Pfarrern gedient.
26.02.45Unheimliche Ruhe an der Front. Straßen durch Feldgendarmen abgesperrt.
27.02.45Morgens gegen 6.30 Uhr beginnt ein fürchterlicher Beschuß. MG-Feuer knattert in Richtung Giescheid. Ein Unteroffizier kommt in den Keller mit der Nachricht, daß der „Ami“ aus dem Kambachtal und vom Eckberg kommend Giescheid genommen hat. Um 18.00 Uhr läßt der Beschuß nach.
28.02.45Morgens setzt der wahnsinnige Beschuß wieder ein. Ein Soldat erklärt, daß der Angriff der „Amis“ aus dem Kambachtal in unserem Feuer zum Stehen kam. Wenige Minuten später beginnt starkes MG-Feuer, dessen Einschläge hart am Pfarrhaus liegen. Die Artillerie setzt wieder gewaltig ein. Die letzte deutsche Kampftruppe flieht durch die Trümmer.

Am Christ-Königs-Denkmal liegt ein Toter.

Rescheid ist in der Hand der Amerikaner. Gegen 17.00 Uhr erhält der Pfarrer die Anweisung von einem Leutnant, die Leute in den Häusern zu halten. Um 18.00 Uhr letzte Messe im Keller. Um 19.00 Uhr kommt der Befehl, sich um 20.30 Uhr zu versammeln, um nach Ramscheid zurückgebracht zu werden, wo wir um 22.30 Uhr ankommen. Alle zusammen verbringen die Nacht in einem Haus.

Die Dorfmitte mit der Linde

Die Häuser, Peter und Alois Sieberath

08.03.45Heute kommt der Befehl, nach Hause zurückzukehren. Die Pfarrkinder suchen ihre Sachen aus dem Mist, wo die „Amis“ sie hingeworfen hatten. Die Schnorrenberger Kapelle hat einen Dachvolltreffer.
26.03.45Die große Speisesaalbaracke des Lagers Wiesen wird als Notkirche für 1650 RM gekauft. Ebenso noch eine Wohnbaracke für 1000 RM.
04.-06.04.45Die Baracke in Wiesen wird abgebrochen und in 36 Fuhren nach Rescheid gebracht.
09.04.45Jeden Tag arbeiten etwa 10 Mann in zwei Schichten an der Ausschachtung und Zementierung der Fundamente für die Baracke.

Aufbau der Notkirche

23.04.45Die Fenster der Baracke werden notdürftig abgedichtet. Fast alle Männer helfen. Tabernakel und Marmorblock vom Hochaltar, Figuren, Kanzel und Bänke werden herübergeschafft. Viele Mädchen putzen und schmücken die armselige Baracke. Die Giescheider Männer bauen einen Steig zum Eingang. Um 15.30 Uhr kommt das Auto mit der Aufschrift „Bishop of Aachen“ angefahren.

Der Pfarrer erwartet mit fast allen Pfarrkindern am Ortseingang den Bischof. In langer Prozession geht es zur Baracke. Der Bischof segnet die Baracke ein. Das Lied wird gesungen: „Ein Haus voll Glorie schauet“. Die Glöckchen
erklingen. Der Bischof besichtigt die Trümmer der Kirche und des Dorfes.

Die Einweihung der Notkirche am 23.04.1945

29.04.45Erster Sonntagsgottesdienst in der Notkirche.
30.04.2025Schneetreiben. Alle Blüten und Blätter erfrieren.
06.05.45Der schwere Einschuß im linken Zimmer des ersten Stocks wird zugemauert.
10.05.45Elisabeth aus Schnorrenberg tritt im Berker Wald auf eine Mine. Sie stirbt wenig später.
12.05.45Requiem für Karl Pützer-Ketten, der vor Monaten in Harperscheid gefallen ist.
16.05.45Beim Pfarrwald wird der Schüler Hans Thomas durch ein explodierendes Geschoß getötet.
20.05.45Pfingsten
Zum ersten Mal singt wieder der Kirchenchor.
26.05.45Nachmittags kommt plötzlich der Pfarrer von Weyer mit einem LKW plus Anhänger voll Kartoffeln, Getreide, Mehl, Möbeln und Porzellan, gesammelt für Rescheid in den Pfarreien Weyer und Lommersdorf.
31.05.45Nach sechs Jahren zum ersten mal wieder Fronleichnamsprozession.

Fronleichnam 1945

02.06.45Dem Schulkind Toni Fuchs riß eine Handgranate beide Hände weg.
14.06.25Die Sakristei wird an die Notkirche gebaut.
01.06.45Im Pfarrhaus beginnen Aufräumarbeiten.

Fronleichnam 1945

17.07.45Beim Spielen mit Munition werden in Kamberg drei 12-jährige Jungen zerrissen. (Josef Lux, Hardy Dederichs, Martin Schneider)
18.07.45Todesnachricht von Ewald Lux, gefallen am 21. März 45 am Plattensee.
23.07.45Alois Schneider fährt mit der Mähmaschine auf eine Mine.
12.08.45Leo Pützer ist am 15. Mai 45 im Lazarett zu Wipperfürth gestorben.
18.08.45Das Dach des Pfarrhauses wird repariert.
22.08.45Es scheint eine Mißernte zu geben. Neben Regen und Kälte bedrohen besonders hunderttausende von Mäusen die Aussaat. Ganze Parzellen brauchen nicht mehr gemäht zu werden. Die Ernte von einem Morgen konnten manche auf einer Heugabel nach Hause tragen.
11.09.45Zum ersten Mal läuft wieder die Wasserleitung. Abends kommt der Bischof zu einem kurzen Besuch.
16.-17.09.45Erste Heimbachwallfahrt.
27.09.45Requiem für den Soldaten Hermann-Josef Haas aus Giescheid.
28.09.45Requiem für den Soldaten Peter Jütten aus Rescheid, wohnhaft in Kall.
07.10.45Durch Bettelpredigten des Pfarrers in anderen Gemeinden kommen 30 Betten, 23 Öfen, 11 Tische, 21 Stühle und Bänke, 3 Schränke, 9 Matratzen, 25 Hühner, 15 Kaninchen, 10 Zentner Kartoffeln, 12 Zentner Getreide und Mehl, 13 Decken, eine Menge Küchengeschirr, 21 Lampen und eine Menge an Kleidern zusammen.
22.10.45Requiem für Hermann Jütten.

Der Unterricht für die Kinder wird im kleinen Schulsaal der Notkirche gehalten.

25.10.45Abends kommen auf einem Ochsenfuhrwerk die Toten von Marmagen hiem und werden beigesetzt. In Rescheid Alois Sieberath und Johann Reder, in Giescheid Katharina Dederichs.
26.10.45Abends reißt der Sturm das restliche Kirchendach ab.
06.11.45Jungmänner- und mädchenstunden im kleinen Schulsaal der Notkirche. Bislang wurden noch keine Vereine wieder aufgemacht.
08.11.45ca. 200 Zentner Briketts kommen an.
03.12.45Der Pfarrwald wird in Lose zur Durchforstung eingeteilt. Das Barabarafest wird unter allgemeiner Beteiligung gefiert. Die Frau von Johann Klinkhammer macht an der Kreuzung im Hause Lux ein Lebensmittelgeshchäft auf.
06.12.45Der Nikolaus kommt zu den Schulkindern. Sie bekommen Weckmänner, die Kleinsten ein paar Bilderbücher.
10.12.45Einige fahren nach Oldenburg um Vieh zu kaufen. Erfolglos. Es fehlen etwa 500 Stück Vieh.
19.12.45Vorbereitungen für das Weihnachtsfest. Eine Eifelkrippe soll entstehen. Die Kamberger Jungen basteln einen Eifeler Stall, Giescheid die Zäune und sonstiges Zubehör und Rescheid den Unterbau, die Grünverkleidung der Krippe und die Altarrückwand.
25.12.456.00 Uhr Christmette mit Stalllaternen.
31.12.4517.00 Uhr Jahresabschlußandacht in dunkler Kirche.

1946

Stammdaten des Jahres 1946:

Tote: 1 Mann, 1 Kleinkind, 4 Gefallene
Ehen: 5
Taufen: 6

Das Jahr des Hungers

Der Monat Januar steht im Zeichen der Viehbeschaffung. Weder Bahn- noch Autoverkehr verbindet uns mit den Menschen, die etwas zu verteilen haben. Der Pfarrer kauft in Aachen 100 m Anzugstoff, die in der Pfarrei verteilt werden. Die Kleidernot ist sehr groß, katastrophal aber ist das Schuhwerk besonders der Kinder. Im Februar kommen 25 Stück Rindvieh an, alle halb verhungert. Die abendlichen Jugendstunden sind gut besucht, aber sie leiden unter dem völligen Lichtmangel, bis es endlich gelingt, Petroleum zu ergattern. Nun aber fehlen allerorts die Lampen. Manche Pfarrkinder gehen abends kohlrabenschwarz ins Bett, verrußt von den zylinderlosen Lampen. Die letzte Februarwoche bringt 2-3 m hohe Schneeverwehungen. Keine Post, keine Zeitung, abgeschnitten von der Außenwelt.

25.02.46Willy Junker und Peter Sieberath kommen aus der Kriegsgefangenschaft zurück.
03.46Im März werden die Lebensmittelrationen gekürzt. Es gibt auf Marken für 4 Wochen je 5kg Brot und 1000g Nährmittel. Alle Bauvprhaben über 200 DM sind genehmigungspflichtig, deshalb wird kräftig schwarz gebaut. 3 Tage wurde bei Karbidlampen in der Baracke Lux Karneval gefeiert.
08.03.46Hohe Schneeverwehungen verhindern jeden Verkehr.
10.03.46In der Nacht kommen Johann, Adolf und Hermann Pützer aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück.
20.03.46Die Innenmauern im Pfarrhaus werden wieder aufgebaut. Das große Einschußloch am rechten Giebel wird geschlossen.
03.04.46Mit einer Besprechung der Männer von Rescheid beginnt die Wiederherstellung des elektrischen Ortsnetzes. Die KEV stellt 8 km Leitungsdraht zur Verfügung.
05.06.46Ein tolles Schwarzhandeltreiben an der Kreuzung. Kalk, Zement, Gips, Einmachtöpfe werden gegen Kartoffeln und Fett eingetauscht.
13.06.46Die elektrischen Anlagen im Pfarrhaus werden zum Teil mit Gummikabeln wieder instandgesetzt.
22.06.46Abends gegen 18.00 Uhr wird der elektrische Strom eingeschaltet. Rescheid und Giescheid haben zum erstenmal seit September 1944 wieder Licht.

Kirmes 1946

Für die Kirmes wird auf der Wiese von Josef Pesch ein erbärmliches Zelt (zum Teil offen an den Seiten) gebaut. Der Regen verwandelt die Umgebung desselben in einen elenden Morast. Der Regen tropft auf die Tänzer. Es gibt miserables Bier, das einzige Getränk. Eine elende Kapelle spielt zum Tanz auf. Das Ständchen vor dem Pfarrhaus war Montagfrüh.

Wiederaufbau Hans Josef Lux mit altem Wasserturm

02.07.46Das Wasser in der Leitung bleibt nach einem Blitzeinschlag weg. Erst nach 14 Tagen wird die Bruchstelle repariert.
91. Versorgungsperiode – für 4 Wochen:

400g Fleisch,
200g Fett,
600g Zucker,
8kg Kartoffeln;
und das meiste davon steht nur auf dem Papier.

19.07.46Alle Regierungspräsidenten der britischen Zone besuchen unser Dorf.
01.09.46Karl Lux kehrt aus russischer Kriegsgefangenschaft heim.
11.09.46Der Pfarrer erhält 30 Paar Kinderschuhe und eine große Anzahl Wäschestücke zur Verteilung.

Ein Orgelbauer lötet und repariert die Orgelpfeifen. Die Notkirche erhält elektrisches Licht.

29.10.46Vor kurzer Zeit kehrte Josef Haas aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück.

Heute kam Alois Klinkhammer aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück.

19.11.46Der neue Lehrer zieht ins Pfarrhaus ein, wo er zwei Zimmer bekommt.
21.11.46Der Schulraum der Notkirche wird verglast.
28.11.46Feierliche Schuleröffnung in Rescheid. Das Kreuz wird gesegnet und in den Schulraum übertragen. Die Schule ist eröffnet.
22.12.46Trotz ungeheurer Kälte proben wir für ein Krippenspiel.
25.12.46Zum ersten Mal Messe in Schnorrenberg. Das Krippenspiel wird in der Kirche aufgeführt.
26.12.46Das Krippenspiel wird nachmittags noch einmal aufgeführt. Abends ist Tanz in der Baracke Lux.

1947

Stammdaten des Jahres 1947:

11 Taufen
13 Tote
9 Ehen

Das neue Jahr beginnt mit großer Kälte. Der Gottesdienst in der Baracke ist kaum möglich. Von den ersten Januartagen an bis in den Mai hat Rescheid kein Wasser, auch der Strom bleibt wegen Abschaltungen oft aus.

08.01.47In Schnorrenberg wird die Schule eingesegnet.
10.01.47Ab heute kommt jeden Tag gegen Mittag ein Bus bis zur Grube Wohlfahrt, die erste Verkehrsmöglichkeit seit 1944. Die Garage des Pfarrhauses wird gedeckt. Der Pfarrer hat als einziger ein ortsständiges Fahrzeug, einen kleinen PKW.
01.47Wegen der Kälte kann der Schulbetrieb in der Baracke nicht aufrechterhalten werden. Die Post kommt wegen des Schnees nicht mehr hinauf. (In den Städten erfrieren Hunderte Menschen)

Die Einwohner unserer Gemeinde huldigen dem Schmuggel.

16.02.47Wegen der Kälte fallen die Fastenpredigten aus. Immer deutlicher zeigt sich, daß die Baracke für unsere Höhenlage nicht geeignet ist. Zum Karneval veranstaltet der Kirchenchor einen Abend mit einem kleinen Spiel (Die Brautwerbung).
27.02.47Heute haben wir seit 40 Tagen anhaltend strengen Frost.

Für 4 Wochen gab es theoretisch in der 99. Versorgungsperiode 600g Fleisch, die aber nicht voll ausgeliefert wurden.

Starke Schneeverwehungen legen die Gottesdienste, Jugendstunden und Schulen lahm.

05.03.47Todesnachricht von Hermann Haas, gestorben in Varna.
28.03.47Todesnachricht von Alois Dederichs, gestorben in russischer Gefangenschaft.

Erstkommunion 1947

31.03.47Die Firma Weimbs aus Hellenthal beginnt mit der Aufstellung der Orgel in der Notkirche.
12.05.47Erste Messe in Giescheid seit 1944. Es kommen immer mehr Bettler. Nahrungsmittel mit 670-870 Kalorien pro Person werden in den Städten ausgegeben.

Fronleichnam 1947

22.06.47Die Kirmes wird in einem schönen Zelt auf dem Hövel gefeiert.

Kirmes 1947

02.08.47Volksfest während eines Besuchs des Burtscheider Kirchenchores, der einen Besuch unserers Chores erwiderte.
17.09.47Endlich ist das Telefon fertig. Seit drei Jahren kann man zum ersten mal telefonieren.
23.09.47Zwei Glocken, von Rescheid die St. Barbara-Glocke und von Schnorrenberg eine Glocke, können in Düsseldorf abgeholt werden.
28.09.47Eine Kreuzfeier wird veranstaltet. Wir stellen die zerstörten Dorf- und Flurkreuze wieder auf. Nach einer Segnung in der Kirche ziehen Prozessionen mit den Kreuzen zu den jeweiligen Standorten. Ein Kreuz wird bei Josef Pesch aufgestellt, eins am Pfad nach Giescheid, eins in Kamberg, eins oben an der Landstraße nach Schnorrenburg und eins in Schwalenbach.

Wiedererrichtung der Flurkreuze

15.10.47Noch immer warmes Sommerwetter, fast 30 Grad. Seit Anfang Juni hatten wir außer ein paar Gewittern keine Regenperiode mehr. Alle Wiesen sind verbrannt, die Halme ganz kurz, die Kartoffeln klein, die Rüben verdorrt, es gibt gar kein Gemüse, das Land gleicht einer Wüste. In Rescheid ist seit Mitte August kein Wasser mehr, nur nachts in den unteren Räumen. Da ziehen dann die Leute hin, um mit Fässern ihren Bedarf zu decken. Alle Quellen ringsum sind versiegt.

Das Wasser kehrt erst am 10. November wieder zurück.

02.11.47Im Berker Wald verunglücken 8 Waldarbeiter von Neuhaus auf einer Mine. Einer ist sofort tot, einer stirbt kurze Zeit später.
11.11.47Die Kinder veranstalten einen Martinsumzug. Sturm und Regen machen alles zunichte.
20.11.47Der Pfarrer kauft in mechernich einige Glühbirnen. Preis pro Watt eine Mark.
23.11.47Das Cäcilienfest des Kirchenchores endet mit einem gemütlichen Abend.

Die Ruine der Kirche im November 1947

26.11.47Walter Skory aus Kamberg und Ferdinand Lux aus Rescheid kehren aus der Gefangenschaft heim.
03.12.47Die Kirchenglocken treffen in Rescheid ein.
Preise auf dem Schwarzmarkt:
1 Riegel Schokolade 35,- RM
1 Ami-Zigarette 6,- RM
1 Deutsche Zigarette 4,- RM
1 Pfund Kaffee 350,- RM
1 Pfund Butter 200,- RM
14.12.47Jungmänner und Jungmädchen spielen in der Kirche das Adventsspiel „Die Herbergssuche“. Am 21. wird das Spiel wiederholt.
25.12.47Weihnachtsspiel der Kinder. Sturm und Regen.

Die Notkirche

1948

Stammdaten des Jahres 1948:

12 Taufen
4 Ehen
7 Tote, darunter zwei vermißte Soldaten

Das neue Jahr beginnt mit Sturm und Regen. Das Dach der Notkirche ist teilweise vom Wind zerfetzt. Die Frauenseite steht fast ganz unter Wasser. Teile der Kirche stürzen ein. Der Wiederaufbau der Pfarrkirche, der wegen des Wohnungselendes der Leute zurückgestellt wurde, soll begonnen und der völlige Ruin der Pfarrkirche verhindert werden.

11.01.4819 Familien treten in den Verein der heiligen Familien ein.
14.01.48Erste Kirchenvorstandssitzung zur Vorbereitung des Wiederaufbaues der Kirche. Erste Maßnahme: Der hohe Bestand des Kirchenwaldes wird niedergelegt. Jedes Dorf stellt Arbeitsgruppen zu je neun bis vierzehn Mann. Jede Arbeitsgruppe erhält einen Obmann.
Rescheid 1 Wilhelm Jütten (Köß),
Rescheid 2 Hermann Steffens,
Rescheid 3 Eduard Lenzen,
Rescheid 4 Alois Jenniches (Peter Hermes),
Kamberg 1 Hermann Pützer (Hendrichs),
Kamberg 2 Johann Jütten (Köß),
Giescheid 1 Wilhelm Sieberath sen.,
Giescheid 2 Alfred Reger,
Schnorrenberg 1 Peter Thomas,
Schnorrenberg 2 Christian Pohl sen., Neuhaus
18.01.48Zum erstenmal versammeln sich die Männer und Jungmänner in der Wirtschaft Klinkhammer. In der Folgezeit werden die Versammlungen eine Gewohnheit und sind stets gut besucht.
23.02.48Roland Poyck aus Neuhaus wird tot gemeldet. In Schnorrenberg werden die Exequien gehalten.
07.03.48Zählung der Kirchenbesucher: 541
28.03.48Das neue Pfarrkreuz wird enthüllt.
07.05.48Zwei fremde Arbeiter melden sich beim Pfarrer. Sie leisten Aufräumarbeiten um die Kirche und unterstützen die Arbeitsgruppe, die zum Steinbruch nach Frauenkron wandern muß. Einer von ihnen, Wilhelm Tacke, bleibt bis zum Wiederaufbau der Kirche.

Ruine der Kirche 1948

17.05.48Weil einge Männer und Jungmänner bei schönem Wetter während des Gottesdienstes vor der Kirche stehenbleiben, wird ein Kirchenordner angestellt. Steinbrucharbeiten: Jeder Mann und Jungmann hat schätzungsweise drei Arbeitstage zu leisten. Jeder Betrieb bis 40 Morgen transportiert 3 cbm, die übringe 5 cbm.
23.05.48In der Pfarrei bilden sich zwei Sportgruppen. Die Mädchen spielen Handball und die Jungen Fußball. Eine Spielschar wird gegründet.
27.05.48Karl Tapper kehrt als letzter Rescheider aus England heim. Aus Frankreich kam Alois Scory, aus Rußland kamen Krämer- Kamberg und Erich Lingscheidt-Schnorrenberg.
Karl Dederichs soll für Kartoffeln Ziegelsteine mitbringen (25 Zentner wurden von der Pfarrgemeinde zur Verfügung gestellt). 6 Zentner wird er nicht los. Er verkauft sie in Köln auf dem schwarzen Markt. Erlös: 1 200 RM.

In Frauenkron werden die Steine für die Kirche gebrochen

11.06.48Die Baugenehmigung wird beantragt.
13.06.48Die Währungsreform steht bevor. Dies veranlaßt die Geschäftsleute, möglichst viel Ware festzuhalten. Nichts mehr ist zu bekommen, kein Brot, kein Fett, kein Fleisch (gibt es übrigens seit Ostern nicht mehr) und kein Treibstoff.
20.06.48Mit der Kirmes kommt die Währungsreform. Bei Klinkhammer werden 40 DM pro Person ausgegeben.
Die Kirmes verläuft dennoch planmäßig. Der Saal von Klinkhammer ist noch nicht fertig. Der Junggesellenverein beschafft ein schönes Zelt, das auf dem Hövel steht. Daneben ein kleines Karussell und zwei Buden.
Die Nachkirmes wird mittwochs noch angehängt.
27.06.48Kollekte 20,38 DM.
Das gesamte Buchgeld mußte Freitag angegeben, das Altgeld abgegeben werden.
Alles wird 10 : 1 abgewertet. Ein Kilo Kaffee kostet 30 DM Steuer. Der Schmuggel blüht. In der Kirchenkasse befanden sich 25 RM = 2,50 DM.
30.06.48Der Aufbau der Kirche beginnt.
22.07.48Die Arbeiten am Fundament beginnen.
27.07.48Wegen der Unzuverlässigkeit der Maurer (sie blieben wegen der Heuernte aus) verging die Lust, mit diesen leuten die Grundsteinlegung zu feiern, die deshalb ins Wasser fällt.
06.08.48Das Eisen für die Kirche wird aus gesprengten Bunkern in Tagelanger Arbeit gewonnen. Es wird aus dem Beton herausgemeißelt.
20.08.48Oberregierungsrat Giese von der Regierung Aachen besucht Rescheid und erteilt die Baugenehmigung.
12.09.48Goldhochzeit Mathias Steffens, Schnorrenberg.
25.09.48Landrat Dr. Klausener kommt nach Rescheid. Der Pfarrer zeigt ihnen die zerstörten Straßen.
27.09.48Der Glockenstuhl und der Glockenturm werden repariert.
12.10.48Die Arbeiten am Dachstuhl beginnen.

Der Bau wächst

Oktober 1948

21.10.48Die Notkirche wird mit Asphaltpappe neu gedeckt.
27.10.48Das Pfarrhaus erhält Telefonanschluß.
14.11.48540 Kirchenbesucher.
19.11.48Die Sakristei ist fertig gemauert.

November 1948

29.11.48Da endlich der Klöppel der St. Barbara-Glocke geliefert wird, kann die Glocke aufgehängt werden.
03.12.48Die Barbara-Glocke läutet zum erstenmal wieder um 10:10 Uhr.
04.12.4817.00 Uhr: Das Richtfest wird eingeläutet. Der Richtbaum steht auf dem First des Kirchendaches.
08.12.48In der Wirtschaft Klinkhammer wird Richtfest gefeiert. Die Mädchen haben gebacken.
12.12.48Die Spielschar spielt in der Kirche das Barbaraspiel.

1949

Stammdaten des Jahres 1949:

2 Tote, darunter einer bereits 1944 verstorben
2 Taufen
5 Eheschließungen

08.01.49In Schnorrenberg Requiem für W. Weber. Er starb 1945 in Gefangenschaft in Rumänien.
04.02.49Die Unterklasse zieht in die Schule ein.
13.02.49Dahlem (5 FM), Baasem (10 FM), Kronenburg (5 FM) haben Rescheid Holz geschenkt, das heute angefahren wird.
27.02.49Zum Karneval wird der ungeheizte Saal eröffnet.
06.03.49Goldenes Priesterjubiläum von Pfarrer Klein, Horbach.
23.03.49Die Raucherkarten fallen weg.
Ein Ei kostet 0,40 DM, ein Pfund Butter 4 DM.
26.03.49Das Holz, das im Pfarrwald geschlagen wurde (1000 FM), wird für 23 000 DM verkauft. Hiervon gehen 5 000 DM für Haulöhne ab.
27.03.49529 Kirchenbesucher
Renovierung der Kapelle Schnorrenberg.
28.03.49In der Kirche beginnt das Zimmern der Flachdecke. Die Schalbretter kommen aufs Dach.
05.04.49Die Dachverschalung ist fertig. Die Säulen der Orgelbühne werden geschlossen.
17.04.49Ostern +25 Grad Celsius!
20.04.49Gertrud Jütten wird in Aachen als Schwester Agatha eingekleidet.
24.04.49Die Spielschar spielt das Stück „Die Bürger von Calais“.
29.05.49Die Spielschar gastiert in Dahlem und Blankenheim. Es werden 150 DM für die Kirche eingenommen.
19.06.49Kirmes
Die Schnorrenberger haben sich selbst ein Zelt gebaut.
21.06.49Die Erwachsenen wollen einen Kusswalzer tanzen, was die Jugend aber erfolgreich verhindert.
30.06.49Das Sakristeidach wird gezimmert.
15.07.49Das westliche Hauptdach wird mit Schiefer gedeckt.
04.08.49Der Turm ist fertig gedeckt.
06.08.49Goldhochzeit von Mathias Pützer (Hendrichs) aus Kamberg.
16.08.49Die Kamine werden fertig gemauert.
20.08.49Das Hauptdach ist fertig.

(Anmerkung Dörfergemeinschaft: erste Reihe vlnr: Erna Sieberath, nicht bekannt, nicht bekannt, nicht bekannt, Rosemarie Pohl (geb. Dederichs), Agnes Mertens, Manfred Dederichs, Joseph Hermes

Letzte Reihe, zweiter von rechts: Erich Franzen)

Erstkommunion 1949

Kirmes 1949

01.09.49Täglich Zeitungen, bisher nur dreimal wöchentlich.
02.09.49Die Fenster werden eingesetzt. Wasserknappheit!
05.09.49Alle Dächer sind fertig.

Fronleichnam 1949

Die Firma Jenniches + Berners

17.09.49Ausstellung in Kall „Ein Grenzkreis baut wieder auf“. Es werden auch Fotos von Zerstörung und Wiederaufbau von Rescheid gezeigt.
21.09.49Die Orgelbühne wird aufgebaut. Die Fensterbänke werden gemauert.

Die Kirche im August 1949

(Anmerkung Dörfergemeinschaft: vlnr.: Josef Sieberath aus Giescheid (Pietisch Juepp), Karl Sieberath aus Giescheid (Maettesses Karl), nicht bekannt, nicht bekannt, nicht bekannt, Reiner Lux aus Giescheid, Werner Pützer, nicht bekannt, nicht bekannt, Anton Jenniches)

Wassernot

26. – 27.09.49Großes Aufräumen an der Kirche.
Die Wassernot bringt zusätzliche Arbeit: Wasserschleppen.
28.09.49Der Außenputz am Westgiebel wird vollendet.
01.10.49Da endlich die Straße von Reifferscheid repariert ist, kommt eine Dampfwalze nach Rescheid.

Der Straßenbau

Die Dampfwalze kommt

14.10.49Die Spielschar führt ein Mundartspiel auf (Verfasser: Josef Lenzen).
02.11.49Beim Abbruch des Hochaltars wurde eine Urkunde von Pfarrer Theissen gefunden.
04.11.49Das Chorgewölbe ist fertig. Der reparierte Sakristeiofen brennt wieder.
07.11.49Alle Türen außer dem Hauptportal sind eingesetzt.
10.11.49Die Pliesterer beenden die Arbeit.

Letzte Arbeiten am Treppenaufgang

15.11.49Der neue Altar wird eingeschalt. Die Kirche ist fertig gekalkt.
19.11.49Die elektrische Anlage ist fertig.
22.11.49Die neuen Chorfenster werden eingesetzt. Die Urkunden werden unter dem Altar eingemauert.
27.11.49Letztes Hochamt in der Notkirche.
28. – 30.11.49Aufräumen um die Kirche, Putzen in der Kirche. Das Hauptportal wird eingesetzt.
01.12.49Meßdiener- und Chroproben für das Pontifikalamt. Die Kirche wird geschmückt, Triumpfbogen errichtet.
02.12.49Die Kirche ist fertig. Einweihung der wiederaufgebauten Kirche.
03.12.49Sturm und regen zerstören allen Außenschmuck, als im schrecklichen Wetter um 14.00 Uhr Bischof Johannes van der Velden in Rescheid eintrifft.
04.12.49Der Pfarrer liest die letzte heilige Messe in der Notkirche und überträgt das Allerheligste still in die neue Kirche. Ein feierlicher Einzug ist nicht möglich, nicht einmal der Bischof kann wegen des Wetters feierlich abgeholt werden. Um 8.30 Uhr wird er am Hauptportal empfangen. Der Bischof segnet die Kirche ein. Die Gemeinde singt die 8. Messe als Volkshochamt.

In der Wirtschaft Klinkhammer findet ein Empfang für die Ehrengäste und die am Wiederaufbau Beteiligten statt. U. a. sind anwesend Landtagsabgeordneter Dr. Schwernig, Oberkreisdirektor Gerhardus, Bürgermeister Berners, Amtsdirektor Land. Verschiedene Mitarbeiter des Pfarrers erhalten ein Bild des Bischofs.

05.12.49Um 8.00 Uhr verläßt der Bischof Rescheid. Um 9.00 Uhr zelebriert der Pfarrer zum ersten mal am neuen Hochaltar und zwar ein Exequien für die Gestorbenen und Gefallenen.
09.12.49In der Kirche wird der Film „Blut über Japan“ gezeigt.
Werner Lux kehrt aus Rußland zurück.
19.12.49Das Hauptportal an der Kirche ist wegen des schrecklichen Dauerregens schon so geschwollen, daß es nicht mehr schließt.
25.12.49Emil Pützer kehrt aus Rußland zurück.

1950

Stammdaten des Jahres 1950:

8 Tote, darunter ein Soldat, gestorben 1945
6 Eheschließungen
10 Taufen, darunter 3 uneheliche

Der Chor droht immer mehr zu verfallen.

Kommentar von Pfarrer Meurer

„Das wirtschaftliche und soziale Leben steht unter dem Zeichen katastrophaler Armut. Die Preise der hier oben sowieso immer sehr späten und geringen landwirtschaftlichen Erzeugnissen sind so gering, die Preise für Kunstdünger und Saatgut, Maschinen, Vieh und dergleichen sehr hoch. Zu all dem kommen noch große Rücksände im Wiederaufbau der Häuser und Ställe.“

Winter 1950

06.03.50Der Soldat Johann Berners-Kohnen wird tot gemeldet. Neue Kommunionbank wird geliefert.
05.04.50Die Giescheider bauen das Giescheider Häusschen in Rescheid.
15.04.50Willy Klinkhammer, Schnorrenberg, kehrt aus russischem Straflager heim.

Die neue Sakristeischelle wird angebracht.

21.04.50Textilindustrie läuft an.
03.05.50Der Pfarrer kauft in Mayen den Schiefer für die Giescheider Kapelle, Pfarrhaus, Anbau der Pfarrkirche und Giescheider Häusschen. Der Westgiebel wird verkleidet.
01.06.50Der Küster wechselt.
Neue Fenster für’s Pfarrhaus.
10.06.50Kirmes
3 Säle: Klinkhammer, Lux, Rescheid und Zelt in Schnorrenberg.
Einige Zimmer im Pfarrhaus werden renoviert.
Die Weberei hat Schwierigkeiten.
Der reparierte Sakristeitresor wird wieder aufgestellt. Das reparierte Portal der Kirche wird wieder eingebaut, die Standuhr der Kirche kehrt ebenfalls an ihren Standort zurück.
04.09.50Erst 3 Arbeiter sind in der neuen Weberei eingestellt. Rescheid erhält ein Telefonamt. Die Kirche bekommt einen Holzfußboden. Aus der Erntedankspende wurden 25 Ztr. Kartoffeln, Brot, Speck und Butter an die Armen, besonders die Flüchtlinge verteilt.
06.10.50Markttag in Rescheid, das Geschäft verläuft schleppend.
14.10.50Goldhochzeit Engel, Schwalenbach.

Markttag in Rescheid

23.10.50Der NWDR nimmt einen Bericht des Pfarrers über de Wiederaufbau im Pfarrhaus auf.
28.10.50Es liegt schon hoher Schnee. In diesem Winter wird eine Fortbildungsschule für Mädchen gehalten. Für Jungen lohnt es sich nicht.
14.11.50Frohnarbeit der Männer, Aufräumen um die Kirche und Abbau der restlichen Gerüste.
10.12.50Beim Barbarafest spielt die Spielschar das Spiel vom Tode. Der Saal ist wieder eiskalt. Es liegt hoher Schnee und es friert stark.
22.12.50Die Bandaufnahme wird im Radio gesendet. An die Armen und Kranken werden Weihnachtspakete verteilt.
24.12.50Der NWDR macht Aufnahmen von Chor und Glocke in Rescheid, die im Rahmen der Sendung „Weihnacht zwischen Eifel und Münsterland“ gesendet wird.
31.12.50Im tiefen Schnee und von meterhohen Schneeverwehungen von der Welt abgeschnitten wird das Jahr beendet.

1951

Stammdaten des Jahres 1951:

9 Tote
5 Ehen
11 Taufen

Die Kohlen sind knapp, sodaß die Kirche den ganzen Winter nicht geheizt werden kann. Zählung der Kirchenbesucher an einem Sonntag: 491

Winter 1951

02.03.51Ein starkes Erdbeben ist überall spürbar. In Mechernich treten Schäden von 1,5 Millionen Mark auf.

Der Pfarrwald wird teilweise wieder aufgeforstet.

Der Anbau des Pfarrhauses wird wieder hergestellt. Die neuen Kirchenbänke werden aufgestellt. Portalraum, Orgeltreppe und Vorhalle werden verputzt bzw. ausgebessert. Da der Dachstuhl sich verzogen hat, wird er neu verstrebt.

Die Schnorrenberger Kapelle wird neu gedeckt. Die Umfassungsmauer der Kirche wird repariert.

In Giescheid wird ein neues Wasserwerk gebaut, anschließend auch die Wasserleistung bis dahin neu verlegt.

Der Bonifatiusverein wird neu gegründet. Die Martinsfeuer snd kläglich. Der alte Brauch wird vom Lehrpersonal nicht entsprechend gefördert.

02.12.51Letzte Messe am Betonaltar. Das Barbarafest wird am Notaltar gefeiert.
11.-12.12.51Die Sandsteinaltäre werden aufgestellt. Ferner werden Kredenztisch und Weihwasserbecken geliefert. Die Platte über dem Orgelaufbau erhält eine Inschrift.
20.12.51Im eiskalten Saal Klinkhammer wird der Film „Maria Goretti“ aufgeführt.

Der Kirchenvorstand 1951

Eifelvereinstreffen 1951

Wallfahrt nach Heimbach 1951

Ausflug vom Kirchenchor 1951

1952

Stammdaten des Jahres 1952:

9 Tote
4 Ehen
10 Taufen

Das Jahr beginnt mit derartigem Sturm und Regen, daß der Neujahrsgottesdienst schlecht besucht war. Die Andacht fällt aus. Die Weberei scheint am Ende zu sein.

Winter 1952

05.01.52Zwangsversteigerung der Weberei Retex.
17.01.52Rescheid ist eingeschneit. Die Schneeverwehungen sind derart stark, daß einzelne Familien durch Tunnels aus der Haustür schlüpfen müssen.

Ein Projektionsapparat für die Pfarrei wird geschafft.

05.02.52Die Landstraße ist endlich wieder frei.
09.02.52Der Schneesturm setzt noch stärker wieder ein. Die Jugendstunden fallen aus.

Der Pfarrer kommt nicht mehr nach Schnorrenberg.

Ein „Ewiges Licht“ wird angeschafft. Der Borromäusverein wird neu gegründet. An der Giescheider Kapelle wird gearbeitet (Verpputz, Dach und Innenputz). Die Mauern um das Pfarrhaus werden erneuert. Vier neue kleine Prozessionsfähnchen werden angeschafft, ebenso ein großes. Der Chorraum wird ausgemalt. Die Statuen von St. Peter und Paul werden wieder aufgestellt. Meßkleider werden angeschafft. Eine DJK-Gruppe wird gegründet. Der Vorplatz der Kirche wird gepflastert. Die kleine Mariahilf wird unter der Orgelbühne angebracht. Die Giescheider Kapelle bekommt neue Fenster. Ein kleiner Brand entsteht im Kaufhaus Jütten. Auch im Pfarrhaus schlägt der Blitz ein und zerstört Lichtleitung und Telefon. Der Kirchturm wird mit Schiefer verkleidet.

Alle Giescheider arbeiten mit an der Wiederherstellung der Dorfstraße.

Die Kirche 1952

20.09.52Der Wasserturm, eine Zierde von Rescheid, wird gesprengt.
14.10.52Der Bischof kommt zur Firmung ins Dorf. Das Schmücken vollzog sich in Regen, Sturm und Matsch. Am Morgen des Firmungstages lagen die Bogen am Boden. Alles versank im Schmutz.

Firmung 1952

07.12.52Die Spielschar spielt das Adventsspiel im eiskalten Saal Klinkhammer.
14.12.52Die Straßen sind zugeweht. Versehgänge sind nur auf Skiern möglich. Eine neue Krippe wurde angeschafft.

Erntedank 1952

1953

Das Tischtennisspiel der DJK-Gruppe wird organisiert. Viele nehmen an den DJK-Skimeisterschaften teil.

01.01.53In Kamberg stirbt Witwe Margarete Jütten geborene Dederichs, mit 96 Jahren die älteste Einwohnerin der Pfarrei.
Ein neuer Kreuzweg wird angeschafft.

Winter 1953

31.01.53Morgens heftiger Sturm und Regen. Ab Mittag fängt es an zu schneien. Sonntagmorgen ist das ganze Land unter Schnee begraben. Die Messen sind fast leer. Die Häuser sind bis zum ersten Stock zugeweht. In der Nacht fallen Strom und Telefon aus. Montags schneit es wieder. Keine Post fährt. Wir sind völlig isoliert. Ein Rundgang durch das Dorf erfordert große Anstrengung.
09.02.53Die Schneeverwehungen behindern das Pfarrleben empflindlich. Die Messen in Schnorrenberg fallen aus. Jugendstunden sind unmöglich.
13.02.53Die männliche Jugend der Pfarrei gründet das Blasorchester.
15.02.53Wegen einer Grippeepidemie muß die Schule schließen.

Die Kirche im Winter 1953

26.03.53Pfarrer Meurer wird in Ruhrberg eingeführt.